Warum Bauen immer mehr kostet und wie Sie Baukosten sparen können

Trotz der für Kreditnehmer guten Situation muss für ein Eigenheim immer mehr Geld aufgewendet werden. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Immer mehr behördliche Auflagen

Vorgaben der EU, die immer strengere Regeln für das energetische Bauen beinhalten und in deutsches Recht umgewandelt und dort oft sogar noch verschärft wurden, sollen zwar das Klima retten, nagen aber spürbar am Budget nicht nur von privaten Bauherren. Seit mehreren Jahren wird in diesem Zusammenhang Kritik durch die Bau- und Immobilienbranche geübt. Eine Entspannung zugunsten von Hausbauern ist nicht in Sicht.

Steigende Grundstückskosten

Insbesondere in und um Ballungszentren steigen die Preise für Baugrundstücke seit Jahren an. Das liegt einerseits an der starken Nachfrage in diesen Gebieten, aber auch an langen Planungs- und Genehmigungsverfahren. Da noch kein Ende dieser Preisentwicklung abzusehen ist, werden Baugrundstücke immer stärker zu Spekulationsobjekten: In der Erwartung noch höherer Renditen wird ihr Verkauf so weit wie möglich hinausgezögert. Um die Knappheit hier zu entschärfen, wird in der Bundespolitik erwogen, Landwirte zum Verkauf von Wirtschaftsflächen zu motivieren, wenn diese sich als Bauland eignen sollten.
Um ausreichend Versickerungsflächen für Regenwasser und Überschwemmungsgebiete für Flüsse zu sichern, sind die Kommunen allerdings angehalten, den Flächenverbrauch so weit wie möglich einzugrenzen. Das betrifft nicht nur Verkehrswege, sondern eben auch Gebäude.

Immer höhere Kosten für Handwerker

Das Statistische Bundesamt stellt seit geraumer Zeit eine stetige Verteuerung der Handwerkerkosten auf dem Bau fest. Sie sind von 2017 auf 2018 doppelt so schnell angestiegen wie alle anderen Verbraucherpreise. Im Durchschnitt konnte eine Erhöhung von 4 %, bei von Generalunternehmern durchgeführten Bauprojekten sogar um 10 % festgestellt werden. Die Begründungen von Firmen und Branchenvertretern reichen von gestiegenen Lohn- und Rohstoffkosten bis zu erhöhten Kosten für die Entsorgung problematischer Baustoffe.

Sandmangel immer deutlicher spürbar

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gibt es eine Sandknappheit, die zu einer Verteuerung dieses Rohstoffs führt. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus werden immerhin 200 Tonnen Sand benötigt. Der hiesige Mangel ist auf die schwierige Lage geeigneter Sand- und Kiesvorkommen in Naturschutzgebieten zurückzuführen. Aber auch Landwirte möchten ihre Flächen nicht für eine Sandgrube hergeben, wenn sie mit deren Verkauf als Baugrund mehr Geld einnehmen können. Eine weitere Hürde ist die lange Dauer der Genehmigungsverfahren, die die Situation weiter verschärft. Alternativen zum Werkstoff Sand werden derzeit erforscht, sind aber von einer Massentauglichkeit noch weit entfernt.

Steuern, Gebühren, Provisionen

Seitdem die Bundesländer selbst die Höhe der Grunderwerbsteuer festlegen dürfen, haben etliche diese Möglichkeit für eine Erhöhung genutzt. Im Sommer 2013 wurde außerdem das Gerichts- und Notarkostengesetz geändert: Seitdem fallen für einen Standard-Hauskauf zwischen 15 und 17 % höhere Gebühren an. Nicht zuletzt mussten Kaufinteressenten auch bei den Maklerprovisionen, für die es keine gesetzlichen Regelungen gibt, tiefer in die Tasche greifen: Das Maklerportal Maklaro ermittelte Provisionshöhen zwischen 5,95 % (z. B. Hessen, Mecklenburg-Vorpommern) und 7,14 % (z. B. Baden- Württemberg, Sachsen) des Kaufpreises.

 

Baukosten sparen

Haus bauen als MassivhausJeder, der sich entschließt, ein Eigenheim zu bauen, möchte selbstverständlich darin so angenehm wie möglich leben. Ein eigenes Haus ist eine Investition fürs Leben. Viele Menschen verbringen dort 30, 40 oder mehr Jahre. Deshalb muss auch mit Blick auf die Zukunft auf einen Mindestkomfort Wert gelegt werden. Gleichzeitig soll aber auch auf die Höhe der Baukosten geachtet werden, damit das Wunschhaus sich nicht in eine finanzielle Bedrohung verwandelt. Dieser Spagat ist oft nicht leicht durchzuführen.
Oft wird der Baukostenanstieg innerhalb der letzten 20 oder 30 Jahre kritisiert. Er basiert jedoch nicht nur auf den höheren Personalkosten, sondern auch auf der deutliche besseren Qualität heutiger Eigenheime. Nicht zuletzt haben auch die gesetzlichen Vorgaben zum Hausbau, die der Energieeinsparung und dem Umweltschutz dienen sollen, zu einer Kostensteigerung beigetragen.

Bevor es an die konkrete Bauplanung geht, sollten sich künftige Bauherren in Ruhe überlegen, was ihnen wichtig ist und worauf sie eventuell verzichten können.

 

Wir erläutern die Sparpotentiale

Wir erläutern hier, wo sich tatsächlich Sparpotenzial ergeben könnte, ohne dass die Wohnqualität darunter spürbar leiden müsste.

 

Das Grundstück

Zugegeben: Ein großes Grundstück ist repräsentativ. Grundsätzlich kann man sogar sagen: Je größer das Grundstück, desto mehr Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich. Allerdings ergeben sich auch etliche Nachteile: Ein großes Grundstück ist entsprechend teuer. Spätestens dann, wenn der finanzielle Spielraum eingeschränkt ist, sollten Bauherren überlegen, welche Grundstücksfläche für den Bau ihres Hauses sowie einen ansprechenden Garten wirklich nötig ist. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass neben dem eigentlichen Kaufpreis für das Grundstück auch Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland zwischen 3,5 % und 6,5 % des Kaufpreises) und eventuell Maklerkosten fällig werden. So können also bei einer Entscheidung für ein großes Grundstück leicht mehrere Tausend Euro Kosten zusätzlich entstehen. Wie hoch die Grunderwerbsteuer in Ihrem Bundesland derzeit ist, erfahren Sie auf www.haus-preiswert.de. Auch die Lage des Baugrundstücks spielt eine entscheidende Rolle. In der Nähe von oder direkt in Großstädten muss mit einem deutlich höheren Quadratmeterpreis gerechnet werden als in ländlichen Gebieten.

 

Der Keller

Niemand würde bestreiten, dass ein Keller zahlreiche Vorteile hat: Er lässt sich zum Wohnkeller einrichten, er ist als Freizeit- und Hobbyraum nutzbar oder dient der Lagerung aller Dinge, von denen man sonst nicht wüsste, wohin damit. Auch der Wiederverkaufswert eines unterkellerten Hauses ist erfahrungsgemäß größer. Aber spielt speziell dieser Punkt eine Rolle, wenn man jetzt Kosten einsparen will und sowieso vorhat, den nächsten Jahrzehnten in diesem Haus zu leben? Oft ist diese Frage schnell beantwortet, wenn sich Bauherren die Zusatzkosten für einen Keller vor Augen halten: Je nach Voraussetzungen muss bei einer Kellergröße von 100 m² mit Kosten zwischen 18.000 EUR und 42.000 EUR gerechnet werden. Für einen reinen Lagerkeller ist das ein stolzer Preis. Sollen die Räume jedoch als Wohn- oder Freizeitkeller dienen, sollte allen Bauherren klar sein, dass sie qualitativ nicht mit den vollwertigen Wohnräumen der oberen Etagen gleichzusetzen sind: Der Lichteinfall ist spürbar geringer, und auch die Raumhöhe ist niedriger.

Da die Entscheidung für oder gegen einen Keller endgültig ist, sollte sie gut überlegt werden.
Siehe auch www.keller-bauen.com.

 

Der Haustyp

Extravaganzen sind teuer. Wem viele Erker und Glauben oder ein verwickelter Grundriss wichtig sind, muss sich von vornherein auf höhere Baukosten einstellen. Eine schlichte und gerade Kubatur ist nicht nur kostenmindernd, sondern wirkt sich auch positiv auf die Kosten für die Fassadendämmung sowie die späteren Heizkosten aus. Auch bei der Raumaufteilung lassen sich Kosten einsparen, wenn auf ungewöhnliche Raumformen oder zahlreiche kleine Zimmer verzichtet wird. Lesen Sie auch "Kosten sparen beim Hausbau".

 

Die Innenausstattung

Muss es überall Parkett sein? In vielen Räumen, die nicht repräsentativ wirken müssen, genügt z. B. auch Laminat. Auch bei der Wahl des Parkettholzes lässt sich viel Geld einsparen: Soll es Steineiche sein, liegt der Preis hierfür bei etwa 80 EUR pro Quadratmeter; Schiffsbodenparkett ist schon für 20 EUR pro Quadratmeter erhältlich. Wenn Bauherren bereit sind, auch bei den Türen, Treppen, Wandverkleidungen und Armaturen Abstriche zu machen, können die Kosten für die Innenausstattung um mehrere tausend Euro geringer ausfallen.

 

Der Pkw-Abstellplatz

Am preisgünstigsten ist ein gepflasterter Abstellplatz auf dem Grundstück. Teurer wird eine Entscheidung für einen Carport. Günstige Modelle sind zum Preis von 500 EUR erhältlich, teurere kosten 3000 EUR oder mehr. Für eine Garage muss mindestens etwa der doppelte Preis eines Carports angesetzt werden. Dabei haben Fertiggaragen gegenüber massiven Garagen die Vorteile, dass sie nur etwa halb so teuer sind und deutlich früher genutzt werden können. Gegenüber einem schlichten Abstellplatz haben Carports und Garagen jedoch den Vorteil, dass mit ihnen bei der Kfz-Versicherung ein etwa 5-prozentiger Preisvorteil erreicht werden kann.

 

Die Außenanlagen

Eine Terrasse kann sehr ins Geld gehen: Wer sich entschließt, Natursteine verlegen zu lassen, muss in der Regel tief in die Tasche greifen. Ein Beispiel: Gelber Quarzit kostet je nach Stärke und Format pro Quadratmeter zwischen 50 und 75 EUR. Das ist der reine Materialwert, die Handwerkerkosten müssen noch hinzugerechnet werden. Dagegen wird die Herstellung von Terrassen mit preisgünstigen Betonsteinen bereits für 60-90 EUR pro Quadratmeter angeboten - inklusive der Handwerkerleistung. Wenn es denn unbedingt Naturstein sein soll, kann auch hier gespart werden: Polygonalplatten, also vieleckige Verlegeplatten, mussten nicht aufwändig gesägt werden und sind darum schon zum Quadratmeterpreis von 25-45 EUR im Handel.

 

Hausbau mit Eigenleistung

Sofern Bauherren selbst Handwerker oder zumindest handwerklich sehr versiert sind, können Sie die Kostenbelastung durch Eigenleistungen reduzieren. Das erfordert von vornherein eine sehr gute Planung, ausreichend Zeit und viel Ausdauer. Der Umfang der Eigenleistung muss mit dem Bauunternehmer genau abgesprochen werden. Bauherren sollten sich auch ihre mit ihm abgesprochene Eigenleistung bestätigen lassen; diese Bestätigung kann bei den Kreditverhandlungen der Bank vorgelegt werden. Die Bedeutung der Fachkenntnisse sollte nicht unterschätzt werden: Fehler oder Zeitverzögerungen, die im Rahmen der Eigenleistung passieren, muss sich der Bauherr selbst anrechnen lassen. Das trifft auch auf Reparaturarbeiten oder Verzögerungen zu, die aufgrund einer von ihm mangelhaft durchgeführten Arbeit nötig werden.
Siehe auch "Hausbau mit Eigenleistungen", auf zbo.de.

 

Fazit

Die Liste dieser Beispiele ließe sich noch verlängern. Mit welchen Mitteln oder Einschränkungen die Baukosten herabgesetzt werden können, hängt immer vom jeweiligen Einzelfall ab. Daher kann künftigen Bauherren nur empfohlen werden, sich intensiv mit einem Experten (Architekten, Bauingenieur) zu beraten.

Auch die Bauplanungsunterlagen sollten eingehend geprüft werden: Nur Fachleute erkennen, ob beispielsweise die Anzahl der Steckdosen oder Lichtschalter ausreichend ist. Sobald ein Bauherr hier nachträglich Wünsche äußert, kommen deutliche Preissteigerungen auf ihn zu. Der günstigste Anbieter ist also nicht unbedingt derjenige, der mit dem Hausbau beauftragt werden sollte. Wenn baufachliche Laien versuchen, ohne fachkundige Hilfe die verschiedenen Angebote von Baufirmen miteinander zu vergleichen, werden sie voraussichtlich scheitern: Schon ihre uneinheitliche Darstellung dürfte die meisten Bauinteressenten überfordern und ist wie der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln mit Birnen.

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