Der Bauvertrag – Darauf müssen Sie achten

BauvertragDie meisten Bauherren müssen sich für ihren Hausbau so hoch verschulden, dass sie oft 20 oder mehr Jahre benötigen, um die Hypothek abzutragen. Deshalb gilt: Da das Risiko, Vertragsbedingungen falsch zu verstehen oder wichtige Inhalte zu übersehen, sehr groß ist und im Ernstfall hohe zusätzliche Zahlungen drohen, sollte man sich für die Prüfung des Bauvertrags ausreichend Zeit nehmen.

 

Unbedingt kompetenten Rat einholen

Juristische Hilfe bieten Fachanwälte, das fachliche Know-How stellen unabhängige Bauherrenberater zur Verfügung. Bauinteressenten sollten auf keinen Fall vor den zusätzlichen Kosten für diese Unterstützung zurückschrecken: Diese Beratungen sind immer ihr Geld wert und schützen vor teuren Fehlentscheidungen.
Ein Laie ist auf keinen Fall in der Lage, die Tücken eines Bauvertrags zu erkennen: Nach Angaben verschiedener Verbraucherverbände ist bei fast der Hälfte der Angebote der Vertragsgegenstand unklar beschrieben, außerdem waren die Vertragsunterlagen nicht vollständig vorhanden. Ähnliches gilt auch für die Bau- und Leistungsbeschreibungen: Bei fast 50 % von ihnen waren der Leistungsumfang, der Ausstattungsstandard sowie die Deklaration der Baustoffe und –materialien nicht ausreichend dargestellt worden. Die Bau- und Leistungsbeschreibung ist allerdings ein wesentlicher Bestandteil des Bauvertrags und muss so detailliert wie möglich formuliert sein. Sie bildet außerdem die Grundlage sowohl für die Berechnung des Angebotspreises als auch die Einhaltung der Preissicherheit.

 

Ein heißes Eisen: die Termine

In vielen Bauverträgen finden sich nur ungefähre Angaben über den Baubeginn, die Bauzeit und den Fertigstellungstermin. Damit wird dem Bauträger oder Bauunternehmer ein großer Spielraum gegeben, der den Kunden teuer zu stehen kommen kann. Auch hier haben Verbraucherverbände bei etwa der Hälfte der geprüften Verträge Mängel gefunden. Bauverträge sollten unbedingt eindeutige Termine beinhalten, damit Streitigkeiten und Unklarheiten von Anfang an vermieden werden. Für den Fall, dass die Vorgaben nicht eingehalten werden, sollte der Bauvertrag Vertragsstrafen vorsehen.

 

Zahlungsintervalle vereinbaren

Mehr als drei Viertel der von Verbraucherverbänden befragten Verbraucher gaben an, finanziell in Vorleistung gegangen zu sein. Das heißt: Sie haben für Baumaterialien oder Leistungen gezahlt, die noch nicht geliefert bzw. erbracht worden waren. Damit waren sie dem Bauträger oder –unternehmen gegenüber unangemessen benachteiligt. Der Bauvertrag sollte deshalb einen Zahlungsplan enthalten, der sich am jeweiligen Baufortschritt orientiert. Bei Verträgen mit Bauträgern wurden in vielen Fällen nicht die Vorgaben der Makler- und Bauträgerverordnung eingehalten.

Tipp:
Lesen Sie auch den Beitrag Abschlagszahlungen beim Hausbau:.massivhaus-zentrum.de/abschlagszahlungen.php.

 

Finanzielle Sicherheiten sind für einen reibungslosen Bauverlauf  und die Gewährleistung

Wenn ein Bauträger oder eine Baufirma Insolvenz anmeldet, kann das für dessen Kunden das Aus für den Traum vom Eigenheim sein. Im Bauvertrag sind deshalb Sicherheiten zu vereinbaren, die den Fortgang der Bauarbeiten auch bei einer Pleite des Auftragnehmers sichern. Dabei  kann es sich um eine Fertigstellungsbürgschaft durch die Hausbank des Unternehmens, eine Fertigstellungsversicherung oder einen Sicherheitseinbehalt handeln. Auf gleiche Weise sollten die Ansprüche des Kunden auf Mängelbeseitigung während der fünfjährigen Gewährleistungsdauer geregelt werden.

 

Auf förmlicher Abnahme bestehen

Die förmliche Abnahme des Hauses wird im Rahmen einer Begehung durchgeführt, an der beide Vertragsparteien teilnehmen. Auf Wunsch können beide Seiten eigene Sachverständige hinzuziehen. Die förmliche Abnahme sieht immer die Erstellung eines Abnahmeprotokolls vor, in dem alle Mängel  und die entsprechenden Fristen für ihre Beseitigung aufgeführt werden. Nach der Mängelbeseitigung sind auch die dafür erforderlichen Leistungen förmlich abzunehmen.

 

Wenn noch nicht alles geregelt ist: Vertragsvorbehalte mindern Bauherrenrisiko

Das passiert öfter: Ein Bauinteressent ist vom Angebot eines Bauunternehmers überzeugt, aber es fehlt noch an einer Baugenehmigung, einer Kreditzusage oder gar an einem Baugrundstück. Wenn sich hier Probleme geben, die den Baustart verhindern oder erheblich verzögern, geht dies ohne eine entsprechende vertragliche Regelung zulasten des Bauherrn. Deshalb sollte im Bauvertrag immer ein kostenloses Rücktrittsrecht enthalten sein.

 

Hat der Auftragnehmer einen guten Ruf?

Hochglanzprospekte eignen sich bestens, um Kunden ein wirtschaftlich solides Unternehmen und eine gute handwerkliche Leistung vorzugaukeln. Doch Verbraucher sollten vorab so viele Informationen über ihren künftigen Vertragspartner einholen, wie es geht. Um sich einen Eindruck von der üblichen Qualität der vom Bauträger oder Bauunternehmer bislang erstellten Gebäude zu verschaffen, sind Referenzobjekte die beste Möglichkeit. Kunden sollten insbesondere nach Eigenheimen fragen, die schon vor mehr als fünf Jahren fertiggestellt wurden: Dann ist die Gewährleistungsfrist bereits abgelaufen, und es lassen sich Rückschlüsse auf die Güte der Gebäude ziehen. Wenn möglich, sollte mit den jetzigen Eigentümern der Häuser ein Termin vereinbart werden, um das Haus auch von innen zu besichtigen und Informationen aus erster Hand zu bekommen. Um ihre wirtschaftliche Situation machen viele Firmen gern ein großes Geheimnis. Doch seit dem 1. Januar 2007 müssen gem. § 325 Handelsgesetzbuch (HGB) alle Kapitalgesellschaften, alle Personenhandelsgesellschaften (§ 264a HGB) sowie große Unternehmen (§ 1 Publizitätsgesetz) ihre Jahresabschlüsse veröffentlichen. Einige Internet-Auskunftsportale geben gegen eine Gebühr aufbereitete Firmendaten heraus, der Bundesanzeiger stellt sie Interessenten unentgeltlich unter https://www.unternehmensregister.de/ zur Verfügung.