Massivhaus-RohbauElektroinstallation im Massivbau

Die moderne Elektroinstallation besteht heute längst nicht nur aus Kabeln, Schaltern und Steckdosen. Durch die zunehmende Technisierung, erhöhte Standards und den Trend zur Hausautomation steigen die Anforderungen ständig. Umso wichtiger ist eine vorausschauende Planung für das Massivhaus – denn nachträgliche Installationen kosten, Zeit, Geld und Nerven. Bereits frühzeitig kann deshalb ein Elektroplan auf Basis des Grundrisses erstellt werden, in dem alle Anschlüsse und Leitungen angegeben sind.


Grundinstallationen im massiven Wohnhaus

Damit im fertigen Massivhaus alle Räume mit Strom versorgt sind, ist ein Grundleitungssystem nötig. Dessen Verlegung beginnt bereits bei der Herstellung von Bodenplatte und Fundament. Der Fundamenterder dient dazu, die gesamte Installation zu erden und Überspannungen, zum Beispiel bei Blitzeinschlag abzuleiten. Als geschlossener Ringerder besteht der Fundamenterder aus nicht isoliertem Stahl, der ins Fundament oder in die Bodenplatte eingebettet wird und über den Beton mit der Erde verbunden ist.

Die Elektroinstallation im Massivhaus ist Sache für den Profi. Grund dafür sind die Einhaltung der Sicherheit sowie gesetzliche Vorgaben. Rein rechtlich dürfen Laien nicht einmal Steckdosen tauschen oder Lampen anschließen. Kommt es zum Schaden, dann haftet die Versicherung nur, wenn die Installation von einem qualifizierten Elektrofachmann durchgeführt wurde. Neben einer ausreichenden Anzahl an Anschlüssen spielt auch die Kapazität der gesamten Elektroinstallation eine wichtige Rolle. Getrennte Stromkreise und eine vorschriftsmäßige Absicherung sind unverzichtbar für den reibungslosen Betrieb von Elektrogeräten. Ein wichtiger Teil der Vorausplanung befasst sich mit dem Ausstattungsstandard.


Die elektrische Ausstattung im Massivbau

Am Anfang jeder Elektroplanung im Massivbau steht die Bedarfsermittlung. Diese hängt zum einen von der Anzahl der Bewohner, zum anderen vom individuellen Anspruch und den Zukunftsaussichten in der Elektro- und Elektronikentwicklung ab. Gerade im Multimediabereich, aber auch wenn es ums Smart Home geht, ist eine vorausschauende Installation sinnvoll. Als ideale Planungshilfe eignen sich die HEA Ausstattungswerte nach RAL-RG 678:

Darüber hinaus gibt es die Ausstattungswerte 1 plus (*plus) bis 3 plus (***plus). Zusätzlich zu den jeweiligen Ausstattungen der Elektroinstallation werden BUS-Leitungen verlegt, mit denen verschiedene Funktionsbereiche für Anwendungen der Gebäudesystemtechnik nach DIN 18015-4 vorbereitet sind. Denkbare Funktionsbereiche sind zum Beispiel schaltbare Steckdosen, Sonnenschutz, Heizen/ Lüften/ Kühlen oder Sicherheit.


Tipp:
Generell lohnt es sich, vorausschauend zu planen. Die ausreichende Bemessung der Installation erleichtert spätere Erweiterungen, die Verlegung von Leerrohren macht den späteren Anschluss zusätzlicher Geräte und Anlagen möglich und zwar ohne aufwändige Bauarbeiten am Massivhaus.


Beleuchtung

Die Beleuchtung ist ein Teil der Elektroinstallation und sollte ebenfalls frühzeitig geplant werden. Das gilt für den Massivbau im besonderen Maße. Dabei ist nicht nur der Ort der Beleuchtung in den Räumen wichtig, sondern auch die Lampenart. In Decken integrierte Einbauleuchten müssen bereits vor dem Betonieren der massiven Geschossdecken vorbereitet werden, gleiches gilt für Leuchten im Fußboden oder die Außenbeleuchtung. Gerade dann, wenn es ums Licht geht, spielt die Gebäudeautomation für Massivhäuser eine wichtige Rolle: Ein steuerbares Lichtmanagement sorgt nicht nur für die richtige Lichtstimmung, sondern spart auch effektiv Strom ein.

 

Installationsmaterial

Welches Installationsmaterial verwendet werden darf, ist in den DIN-VDE-Normen genau festgelegt. Damit wird zum einen die Funktionsfähigkeit, zum anderen auch die Sicherheit der Verlegung im Massivhaus gewährleistet. In dem Regelwerk des VDE (Verband der Elektrotechnik) sind in der Normengruppe 6 Elektroinstallation Vorschriften zum Material und zu den Schaltgeräten zu finden.
Die Leitungsverlegung wird in Massivhäusern in der Regel als Unterputzinstallation durchgeführt. So ist später nichts mehr von den Kabeln und Verteilerdosen außer den zugänglichen Schaltern und Steckdosen zu sehen. Durch vorgeschriebene Installationszonen für die Wandverlegung elektrischer Kabel im Massivhaus wird vermieden, dass die Leitungen später versehentlich angebohrt werden.

Generell besteht eine Elektroinstallation aus folgenden Komponenten:

Zentrale der Elektroinstallation im Haus ist der Stromkreisverteiler, der meist mit dem Zählerplatz zusammengefasst und im Hausanschlussraum untergebracht ist. Der Verteiler enthält Leitungsschutzschalter und Sicherungen, den Fehlerstrom Schutzschalter (FI-Schalter), Anschlussklemmen, Fernschalter, Zeitschaltuhren, Netzfreischalter und verschiedene weitere Komponenten.

Bei den Kabeln und Leitungen unterscheidet man zwischen 3- und 5-adrigen Leitungen, zur leichteren Identifizierung der einzelnen Adern gibt es einheitliche farbliche Kennzeichnungen. Folgende Kabelarten sind im Massivbau vorwiegend zu finden:

Tipp:
Beim Material für die Elektroinstallation sollte man nicht sparen, da der nachträgliche Austausch bei der im Massivbau üblichen Unterputzverlegung lästig und aufwändig ist.


Schutzmaßnahmen/ Sicherheit

Elektrizität – wird sie nicht richtig geleitet und abgesichert – kann lebensgefährlich sein. Deshalb gibt es strenge Vorschriften hinsichtlich der erforderlichen Sicherheits- und Schutzmaßnahmen für die Elektroinstallation im Hausbau. Als Basisschutz werden elektrische Leitungen und Anlagen durch geeignete Isolationsmaßnahmen vor Berührung geschützt. Im Massivhaus geschieht dies durch die Unterputzverlegung sozusagen automatisch. Gegen elektrische Schläge und zur Brandvermeidung bei Kurzschlüssen dienen FI-Schutzeinrichtungen wie der Fehlerstromschutzschalter. Diese sorgen für eine schnelle Abschaltung, sobald der Fehlerstrom einen definierten Wert erreicht hat.
Besonders gefährlich ist elektrischer Strom in Feuchträumen, deshalb sind dort besondere Sicherheitsvorkehrungen unter anderem in Form von Schutzzonen nötig. Diese sind in der VDE 0100 festgelegt:

Tipp:
In den Bereichen 0 bis 2 sind Schalter und Steckdosen nicht erlaubt. Leitungen, die andere Räume mit Strom versorgen, dürfen nicht durch die Schutzzonen gelegt werden. In Leuchten verbaute Schalter sind zulässig, wenn sie die Schutzart nicht herabsetzen.


Elektroinstallation und Wärmeschutz

Luftdichtigkeit und der damit verbundene Wärmeschutz sind für moderne Massivhäuser ein Muss. Die fachgerechte Elektroinstallation ist durch die DIN 18015-5 „Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, T5 luftdichte und wärmebrückenfreie Elektroinstallation“ geregelt. Wichtigste Regel: Die Anzahl der Durchdringungen der luftdichten Ebene muss so gering wie möglich gehalten werden. Damit die Luftdichtigkeit erhalten bleibt und auch die Anzahl der Wärmebrücken gegen Null geht, kommen in Massivhäusern zum Beispiel folgende Maßnahmen zum Einsatz:

Tipp:
Besonders in offenporigen Steinen wie zum Beispiel Poroton muss auf eine sorgfältige und luftdichte Installation der Leitungsrohre im Mauerwerk geachtet werden.


Smart Home – mehr Komfort durch erweiterte Installationen

Smart Home oder das intelligente Haus hält als modernes technologisches Konzept im Neubau zunehmend Einzug. Gemeint ist damit eine Vernetzung der technischen Geräte und Anlagen sowie eine zentrale Steuerung per PC oder Fernzugriff. Für den Nutzer im Massivhaus bringt dies mehr Komfort – zum Beispiel durch automatische Lichtsteuerung oder programmierbare elektrische Geräte - aber auch Einsparungen im Energieverbrauch. So übernehmen Licht- und Temperatursensoren das automatische Öffnen und Schließen der Rollladen oder der Fenster, die Heizungssteuerung kann perfekt an die Lebens- und Wohngewohnheiten der Hausbewohner angepasst werden. Bereits bei der Elektroplanung im Massivhaus sollte das Smart Home mit einer entsprechenden Ausstattung berücksichtigt werden. Das erspart das spätere Nachrüsten. Wer nicht von Anfang an auf die Hausautomation setzen will, sollte zumindest ausreichend Leerrohre miteinplanen.

Tipp:
Ein Massivhaus als Smart Home ist nicht nur komfortabel, sondern sorgt auch dafür, dass das Haus einen ständigen Wertzuwachs erhält, denn der Hausautomation gehört die Zukunft.